Unter dem Dach

Graues Langohr, Plecotus austriacus, naturgeflatter, Kitzingen, Fledermaus

Der Frühling kommt und die Fledermäuse kehren wieder zurück. Unter meinem Dach lebt das Graue Langohr.


Graue Langohren bevorzugen ruhige Dachstühle, in denen sie sich Nischen zum verstecken suchen können. Für dieses „übertagen“ nutzen sie gerne Zapflöcher alter Dachbalken oder die Hohlräume der Firstziegel. Dort bilden sie ihre Wochenstuben, die meist aus wenigen Tieren bestehen, selten mehr als 30. Eine Wochenstube nennt man den Zusammenschluss weiblicher Tiere, um dem Sommer über gemeinsam ihre Jungen aufzuziehen. 

 

Den Winter verbringen sie, genau wie andere Fledermäuse auch, im Winterschlaf. Am liebsten haben sie es, wenn sie hierzu nicht weit fliegen müssen. Am Besten im selben Haus. Im Sommer unter dem warmen Dach und im Winter im kühlen Keller.

Graues Langohr, Fledermaus, Plecotus austriacus
Graues Langohr, Plecotus austriacus, Fledermaus, Winterquartier

Ob ein Quartier bewohnt wird ist schwer zu sagen, denn die Tiere sind sehr unauffällig. Am Einfachsten bemerkt man dass, durch am Boden liegenden Kot. Den letzten frischen Fledermauskot habe ich in meinem Dachboden Mitte Dezember gefunden, den nächsten dann Mitte Februar. Im Prinzip waren sie also fast das ganze Jahr über aktiv in diesem Quartier. Das macht diese Art auch so störanfällig bei Renovierungen, wenn Dacharbeiten anstehen. Hier bedarf es einer umsichtigen Bauplanung.

Fledermauskot, Graues Langohr, Plecotus austriacus
Fledermauskot, Graues Langohr, Plecotus austriacus

Im Laufe der Jahre habe ich die Tiere gezählt und dabei festgestellt, dass die kleine Kolonie langsam wächst. Im letzten Sommer waren es zwölf Fledermäuse, sieben Adulte und fünf Jungtiere. Vor einigen Jahren waren es insgesamt nur sieben. Sie bekommen nur ein Junges im Jahr. Wie alle anderen Fledermäuse vermehren sie sich nur langsam. Ich bin gespannt wie viele Mütter sich dieses Jahr einfinden und wie viele Junge sie aufziehen können. Das hängt natürlich nicht nur vom Quartier ab, sondern ganz entscheidend vom umliegenden Habitat. Gibt es im nahen Umfeld genügend Insekten zu jagen? Graue Langohren fliegen nicht sonderlich weit, ein strukturreiches Umfeld, mit naturbelassenen Gärten ohne Gift und Grünanlagen, Hecken oder Blumenwiesen wäre genau das richtige. Dort finden sie ihre Lieblingsbeute, Nachtfalter.

Graues Langohr, Plecotus austriacus im Quartier
Graues Langohr, Plecotus austriacus im Quartier, Hitzehangplatz, Fledermaus

Graues Langohr, Plecotus austriacus, Wochenstube in einem Zapfloch

Nochmal zurück unters Dach. Es ist erstaunlich wie viele unterschiedliche Verstecke sie nutzen. Das ist offenbar wetterabhängig. Unter dem gemauerten Dachfirst sammelt sich warme Luft, dies ist der bevorzugte Hangplatz der Grauen Langohren wenn zur Dämmerung Leben in die Kolonie kommt. An den tiefer liegenden Firstgraten, am Ortgang, sind sie zu finden wenn es draußen sehr warm ist. Wird es im Sommer zu heiß, dann wechseln sie an ihren kühlen Hitzehangplatz, dem Spalt zwischen den beiden Kaminen. Manchmal verschwinden sie in einem Zapfloch, tief im Dachbalken. Dort ziehen sie auch anfangs ihre Jungen auf. 

 

Gelegentlich ziehen die Kleinen auch mit um, in die anderen Verstecke auf dem Dachboden. Im Laufe des Sommers, wenn die Jungtiere größer geworden sind und sich die Kolonie langsam auflöst, finden sich die Langohren auch in der Kirche gegenüber. Das ist wohl eines ihrer Ausweichquartiere. Oder die Mütter ziehen sich dorthin zurück, wenn die großen Kinder zu sehr nerven.


alter Dachstuhl, Fledermausquartier
alter Dachstuhl, Fledermausquartier


Abends, zur Dämmerung, wenn es schon fast ganz dunkel ist, fliegen sie aus. Das kann man vom Garten aus schön beobachten. Zur Morgendämmerung, wenn im Sommer die Jungen auch die ersten Male nachts unterwegs sind, beobachte ich gerne deren Ankunft. Um den jungen Fledermäusen die unauffällige Einflugöffnung zu zeigen, flattern die Mütter am Eingang zum Dach. Wie kleine Hubschrauber stehen sie in der Luft und zeigen den Kleinen so den Weg zurück ins Quartier.

 

Im letzten Jahr sind mir im Landkreis Kitzingen wieder einige neue Quartiere aufgefallen, bei denen es sich um Graue Langohren handeln könnte. Ich werde in diesem Projektjahr versuchen herauszufinden, ob es sich tatsächlich um diese nicht ganz so häufige Fledermausart handelt.

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Kommentare: 2
  • #1

    Jana (Sonntag, 24 April 2016 12:40)

    Schöner Eintrag! Muss gestehen, dass ich Dich um "Deine" Wochenstube ein wenig beneide, Christian ;). Wo wohl die Tierchen Mitte Dezember - Mitte Februar stecken? Im Dachboden (irgendwo sehr tief verkrochen) oder sind sie doch in einen frostfreien Keller geflogen? Ich wünsche Deiner Wochenstube, dass sie brav anwächst, und Dir, dem Hausherren, weiterhin viel Freude mit Deinen Untermietern.

  • #2

    Christian (Sonntag, 24 April 2016 22:04)

    Danke Jana für deinen Kommentar. Schauen wir mal wieviele es dieses Jahr werden.