Stille Untermieter

Unter so vielen Dächern war ich schon, soviele Menschen habe ich kennen gelernt. Mit so vielen habe ich schon gesprochen.

In Kirchen, in Miethäusern, bei den Leuten zu Hause, in Kellern, Garagen, Scheunen. Meist treffe ich auf Verständnis und Interesse für Fledermäuse. Oft kann ich etwas zum positiven verändern. Es werden neue Zuflüge geschaffen, Kästen aufgehängt, Quartiere angeboten, Gärten natürlicher gestaltet. Manchmal laufen solche Gespräche über Tage, Wochen, Monate und manchmal geht alles wie von selbst. Mittlerweile habe ich viele nette Menschen getroffen, interessante Unterhaltungen geführt, unterschiedliche Leute kennen gelernt und Freundschaften geschlossen.

Handelt es sich um eine größere Baumaßnahme werden Lösungen gesucht und Vorschläge erarbeitet. Es wird mit den Leuten geredet und ihre Bedenken werden ernst genommen. Alles geschieht immer in Absprache mit den zuständigen Naturschutzbehörden. 

Aber es gibt auch andere Fälle, welche die nicht so angenehm verlaufen. "Die Viecher sollen weg, machen Dreck, haben hier nichts zu suchen." Meist habe ich Verständnis und suche nach Kompromissen. 

Woran liegt es, dass manche Menschen ihre tierischen Untermieter so extrem ablehnen? Ist es Ignoranz oder Besitzdenken? "In meinem Haus bestimme nur ich wer drin wohnt" hat mir einer mal gesagt. Manchmal ist es einfach fehlende Empathie. "Von mir aus können die verrecken." Das ist fast noch schlimmer als Ablehnung, wenn es den Leuten einfach egal ist was mit den Tieren geschieht. Die Kreatur kümmert sie nicht. 

 

Aktuell beschäftigt mich eine Handvoll Grauer Langohren, eine kleine Kolonie welche wahrscheinlich schon viele Jahrzehnte unter einem Dach lebt. Diese Tiere sind so unauffällig, dass sie normalerweise gar nicht entdeckt werden. Die Kotmenge eines Jahres passt auf ein Kehrblech. Wir haben gemeinsam Lösungen gesucht und gefunden. Es wurden Vorschläge gemacht, Hilfe und Beratung angeboten. Mit einem Handstreich soll nun eine Kehrtwende vollzogen werden. Jetzt sollen die Fledermäuse weg. Mal davon abgesehen dass es ein Naturschutzgesetz gibt, welches solche Dinge ganz klar regelt und hier für die Fledermäuse spricht, sollte es doch gerade in einer Kirche Verständnis und Platz für Mitgeschöpfe geben. Ich finde es immer unendlich schade, wenn man gerade hier auf Unverständnis oder gar Ablehnung trifft. Es ist nicht die Regel. In vielen Kirchen werden Fledermäuse begrüßt oder gar durch bauliche Maßnahmen wieder eingeladen dort zu leben. Für den momentanen Fall habe ich einfach kein Verständnis.

Wie so viele andere engagierte Naturschützer, vertrete ich Geschöpfe die keine eigene Stimme haben, die sich nicht wehren können. Die gegenüber uns Menschen nicht im Stande sind ihre Rechte einzufordern. Manchmal ist das nicht so leicht...

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