Das war 2019

Das alte Jahr ist zu Ende und das neue Jahr hat noch nicht begonnen. Es ist wieder einmal an der Zeit ein paar Gedanken niederzuschreiben. 



beobachtet

Wenn ich mich zurückbesinne an das vergangene Jahr sehe ich oft in eine Linse. Die gehört zu einer Kamera des Bayerischen Rundfunks. Über ein Jahr lang begleitet ein Filmteam meine Arbeit. Die Dreharbeiten begangen im März 2019 unter einem Pfarrhausdach in Iphofen. Im Sommer 2020 wird eine Dokumentation im Format "Bayern erleben", einen 45 minütigen, etwas ungewohnten Blick aus der Perspektive eines Fledermauskundlers zeigen. Die Arbeit, die Beweggründe, die Herausforderungen um einer bedrohten Art zu helfen, dem Grauen Langohr.


begonnen

Überhaupt drehte sich 2019 alles um diese eine spezielle Fledermausart. Sie wurde als Schirmart ausgesucht um im Rahmen eines Artenhilfsprojektes des Landesamts für Umwelt, unsere heimische Flur wieder zu bereichern. Wir wollen Hecken, Bäume und Stauden pflanzen, Streuobst- und Blühwiesen anlegen und Naturgärten fördern. Die große Herausforderung zeigte sich rasch. Es fanden sich eine Menge Grundstücke, allerdings sind Flächen einfach kostbar und jeder Eigentümer hat auch seine berechtigten Einzelinteressen. Für das Projekt haben wir uns öffentliche, private und landwirtschaftliche Flächen ausgesucht, die alle im Umfeld der Fledermauskolonie liegen, um zu verstehen, wie unterschiedlich vorgegangen werden muss, um eine ökologisch sinnvolle Optimierung zu erreichen. Auch im Laufe des Jahres 2020 wollen wir versuchen etwas mehr Abwechslung in die Flur zu bringen. Mehr zum Projekt: Rettet das Graue Langohr


belauscht

Um den Fledermäusen auf die Schliche zu kommen, wurde 2019 eine Menge Technik eingesetzt, um Bäume zu beproben und in die Nacht zu lauschen. Die hierbei gesammelten Daten helfen vielleicht etwas besser zu verstehen wie Fledermäuse leben, wo sie vorkommen, wo sie nach Beute suchen. In einem kollegialen Verbund mit lieben Fledermauskundlern war 2019 auch ein erforschtes Jahr.


bewegt

Viele Dinge stimmten mich 2019 nachdenklich, eines möchte ich exemplarisch ansprechen. Die kleine Kolonie der Grauen Langohren stand unter hohem Prädationsdruck durch Waldohreulen. Diese fanden sich zur Abenddämmerung im Garten ein um auf die ausfliegenden Fledermäuse zu warten. Man kann natürlich sagen, so ist die Natur. Allerdings zeigte mir dies eine Entwicklung, die allzu oft etwas verklärend dargestellt wird. Durch die zunehmende Verarmung unseres Umlandes konzentrieren sich verbliebene Arten im urbanen Umfeld. Stadtwildnis wird das gerne genannt. Aber mit dieser Konzentration gehen auch immer Konflikte einher. Als Beispiel seien Saatkrähen genannt die bei den Anliegern für Unmut sorgen, oder Füchse die durch Vorgärten streifen. Wir sollten alles daran setzen unsere verbliebenen Lebensräume zu erhalten, sie wieder lebenswert zu gestalten. Auch dafür wurde das Projekt Flurbereicherung entwickelt. 


berührt

Das Jahr war recht gut gefüllt, manchmal wurde es mir fast ein bisschen viel. Und dann kam ein Anruf. Ein Fledermausjungtier wurde auf der Strasse liegend gefunden, ein Baby. An der Fundstelle fand sich auch das Quartier mit der Kolonie, und am Abend bot ich das Jungtier zur Abholung an. Auf einem Stock, umwickelt mit einem Tuch, platzierte ich das Jungtier und hielt es in die Höhe. Tatsächlich kamen Fledermäuse ausgeflogen und umschwärmten die Szenerie. Ein Langohr kam herab, blieb eine Weile in der Luft stehen, direkt vor meinem Gesicht, bevor es am anderen Ende des Stocks landete, das Jungtier aufkrabbeln ließ und huckepack mit ihm in die Nacht flog. Mutter und Jungtier waren wieder vereint. Und ich wusste wieder warum ich meine Arbeit so liebe.


beglückt

2019 hat mir auch neue Perspektiven geschenkt für die ich sehr dankbar bin. Manchmal fügen sich Zufälligkeiten zu einem größeren Bild. Manchmal ergeben sich einfach die richtigen Wege zur richtigen Zeit. Besonders gefreut hat mich eine Projektanfrage, die mit Fledermäusen auf den ersten Blick recht wenig zu tun hat. Allerdings sind die Potentiale die sich ergaben so spannend, dass es gar nicht anders ging als mitzuarbeiten. Worum es geht? Das Bild verrät ein bisschen. Mehr dazu in 2020. 


bekümmert

Leider hatte 2019 auch seine dunklen Seiten. So musste ich eine geliebte Seele loslassen, die mich bei meinen Arbeiten in der Flur viele Jahre treu begleitete.


bereit

2019 hatte seine Höhen und Tiefen. Ich durfte neue Menschen kennenlernen und mich neuen Aufgaben stellen. Ich konnte einige alte Dinge loslassen und neue empfangen. Ich bin etwas gewachsen und fühle mich bereit 2020 mit einem offenen Geist zu empfangen. 

 

Auf ein gutes, neues Jahr!