Grafik: Ben-York Balser
Grafik: Ben-York Balser

Diese Seite gehört einem typischen Kulturfolger, einem Bewohner klimatisch begünstigter ländlicher Regionen mit Weinbau und Streuobst. In kleinen Kolonien lebt diese Fledermaus nahezu unbemerkt unter unseren Dächern und jagt nachts in naturnahen Gärten und über artenreichen Wiesen Insekten. Zum sicheren Fortbestand ist das Graue Langohr auf eine lebendige Landschaft mit Hecken, Bäumen und blühenden Feldrändern angewiesen. Im Weinlandkreis Kitzingen gibt es noch Vorkommen des Grauen Langohrs, deswegen haben wir eine besondere Verantwortung für diese vom Aussterben bedrohte Art.


Das Graue Langohr (Plecotus austriacus) ist eine mittelgroße Fledermausart, wiegt etwa 10 g und wird an die 10 Jahre alt. Die Art ist wenig wanderfreudig, Sommer- und Winterquartiere liegen nah zusammen. Die kleinen Kolonien bewohnen meist geräumige Dachstühle von Kirchen, Pfarrhäuser oder historischen Zehtnhäusern. Wegen seiner Unauffälligkeit wird es bei Sanierungen leicht übersehen. Als klassischer Kulturfolger lebt es im Spannungsbereich zwischen Siedlung und Offenland, einem Bereich der einem hohen Nutzungsdruck ausgesetzt ist. Ausgeräumte Fluren und Flächenversiegelung machen der Art zu schaffen. Lichtverschmutzung zerschneidet den Lebensraum Nacht und wirkt negativ auf Nachtfalter, die Beutetiere des Grauen Langohr.


Trächtige Weibchen finden sich im Frühjahr zusammen um gemeinsam ihren Nachwuchs aufzuziehen. Die Jungen kommen nackt und blind zur Welt, sie werden mit Muttermilch gesäugt. Nach dem Sommer, wenn die Jungen selbstständig sind, lösen sich diese Wochenstuben wieder auf. Die Männchen haben bei der Jungenaufzucht keine Aufgabe und leben meist alleine. Im Spätsommer beginnt die Paarungszeit. Danach hält das Graue Langohr Winterschlaf um die Insektenarme Zeit zu überdauern, hierfür nutz es kühle, dunkle Keller und Dachböden. Im Frühjahr beginnt der Jahreslauf der Fledermaus von vorne.



Seit über 50 Millionen Jahren leben Fledermäuse auf der Erde, sie haben ihre ökologische Nische in der Dunkelheit der Nacht gefunden. Ein großer Teil unserer Wildtiere ist dämmerungs- und nachtaktiv. Nachtaktive Insekten, die Beute des Grauen Langohrs, werden durch künstliches Licht angelockt. Straßenlaternen wirken wie Staubsauger auf Nachtfalter, diese umkreisen die Lampen bis sie erschöpft zu Boden fallen, sie vermehren sich nicht mehr. Lichtverschmutzung ist mit ein Grund für das Insektensterben. Künstliche Beleuchtung zerschneidet Lebensräume und wirkt für manche Fledermausarten wie eine Barriere. Den Lebensraum dunkle Nacht gilt es zu erhalten.


Fledermäuse orientieren sich durch Ultraschall, das zurückgeworfene Echo wird im Kopf zu einem Hörbild. Die Rufe des Langohrs liegen zwischen 11.000 bis 70.000 Herz, Menschen hören zwischen 20 bis 20.000 Herz. Mit spezieller Technik lassen sich diese Laute aufzeichnen und darstellen. Auf nächtlicher Insektenjagd wird geflüstert, denn dank seiner großen Ohren kann es leiseste Echos hören und braucht nicht laut rufen. 

Ortungsruf im Sonagramm
Ortungsruf im Sonagramm

Sozialruf im Sonagramm
Sozialruf im Sonagramm


Graue Langohren jagen, nachdem sie zur Abenddämmerung ausgeflogen sind, erstmal in unmittelbarer Nähe zu ihrem Quartier. Da sie in unseren Siedlungen leben, suchen sie auch in Gärten nach Nachtfaltern. Diese gilt es zu fördern:

  • Garten, Balkon oder Hof naturnah gestalten
  • keine versiegelten Schottergärten anlegen
  • Insektenfreundliche, heimische Pflanzen verwenden
  • Hecken und Bäume erhalten
  • auf Spritzmittel und Dünger verzichten
  • weniger mähen
  • Wildwuchs zulassen
  • abgeblühte Stauden über den Winter stehen lassen


Fledermäuse benötigen Strukturen um sich in ihrem Lebensraum zurecht zu finden. Hecken und Baumreihen leiten vom Quartier in den Jagdlebensraum. Diese Leitlinien dienen auch dem Schutz vor natürlichen Feinden. Gleichzeitig sind solche Landschaftselemente auch wertvolle Lebensräume für Rebhühner, Feldhasen, Singvögel und Insekten. Eine vielfältig strukturierte Landschaft ist nicht nur ökologisch wichtig, sie erfreut beim Durchwandern auch unser menschliches Auge. Unsere Fluren missen:

  • Laubbäume
  • Streuobst
  • Hecken
  • Feldgehöze
  • Baumreihen
  • Artenreiche Wiesen
  • Staudensäume

"Wir brauchen eine Flurbereicherung - nicht nur für das Graue Langohr"


mehr Info


Langohr TV

Ein Blick unter das Dach.



Von Nachteulen und Nachtkerzen

Über Telemetrie, Nachtfalter und bepuderte Langohren. Eine Erzählung in drei Akten.



Garten für Nachtschwärmer

Eine Saatmischung um Nachtfalter zu fördern - die Leibspeise des Grauen Langohr. 



Hellmine Langohr

40 Seiten Dorfleben aus Sicht des Grauen Langohrs.

Eine Betrachtung soziokultureller Schnittmengen. 



Das Graue Langohr - Winzling im Kitzinger Land

Eineinhalb Jahre hat uns die Kamera des BR begleitet. Es entstand eine flatterhafte Naturdokumentation.

Geplanter Sendetermin 25. August 2021, 21:00 Uhr im BR, als Rahmenprogramm zur European Batnight 2021.