der Schriftzug "Rettet das Graue Langohr", in der Ecke erkennt man eine Langohrfledermaus. eine Grafik von Ben-York Balser.
Grafik: Ben-York Balser

Diese Seite gehört einem typischen Kulturfolger, einem Bewohner klimatisch begünstigter ländlicher Regionen mit Weinbau und Streuobst. In kleinen Kolonien lebt diese Fledermaus nahezu unbemerkt unter unseren Dächern und jagt nachts in naturnahen Gärten und über artenreichen Wiesen Insekten.

Zum sicheren Fortbestand ist das Graue Langohr auf eine lebendige, gut strukturierte Kulturlandschaft angewiesen. Im Weinlandkreis Kitzingen gibt es noch Vorkommen des Grauen Langohrs, deswegen haben wir eine besondere Verantwortung für diese vom Aussterben bedrohte Art.



Das Graue Langohr (Plecotus austriacus)

  • Körperlänge: 4-6 cm - mit Ohren fast doppelt top lang
  • Spannweite: 25-29 cm
  • Gewicht: 6-10 g
  • Lebenserwartung: 5-10 oder mehr Jahre
  • Nahrung: hauptsächlich Nachtfalter, aber auch Fliegen, Schnaken und Käfer
  • Lebensraum: warme Tallagen ländlicher Regionen
  • Fortpflanzung: ein Jungtier pro Jahr
  • Gefährdung: in Bayern stark gefährdet - Deutschlandweit vom Aussterben bedroht


Die Art ist wenig wanderfreudig, Sommer- und Winterquartiere liegen nah zusammen. Die kleinen Kolonien bewohnen meist geräumige Dachstühle von Kirchen, Pfarrhäuser oder historischen Zehtnhäusern. Wegen seiner Unauffälligkeit wird es bei Sanierungen leicht übersehen. Als klassischer Kulturfolger lebt es im Spannungsfeld zwischen Siedlung und Offenland, einem Bereich der einem hohen Nutzungsdruck ausgesetzt ist. Ausgeräumte Fluren und Flächenversiegelung machen der Art zu schaffen. Das Insektensterben verschärft die ungünstigen Lebensbedingungen. Lichtverschmutzung zerschneidet seinen Lebensraum und wirkt negativ auf Nachtfalter, die Beutetiere des Grauen Langohr.



Eine schlafende Fledermaus im trockenen Dachstuhl, draussen regnet es. Grafik von Ben-York Balser.

Trächtige Weibchen finden sich im Frühjahr zusammen um gemeinsam ihren Nachwuchs aufzuziehen. Die Jungen kommen nackt und blind zur Welt, sie werden mit Muttermilch gesäugt. Nach dem Sommer, wenn die Jungen selbstständig sind, lösen sich diese Wochenstuben wieder auf. Die Männchen haben bei der Jungenaufzucht keine Aufgabe und leben meist alleine. Im Spätsommer beginnt die Paarungszeit. Danach hält das Graue Langohr Winterschlaf um die insektenarme Zeit zu überdauern, hierfür nutz es kühle, dunkle und eher luftige Keller und Dachböden. Im Frühjahr beginnt der Jahreslauf der Fledermaus von vorne.



Die Fledermaus hält sich den Flügel vor das gesicht, es ist ihr zu  hell an der Lampe. Eine Grafik von Ben-York Balser.

Seit über 50 Millionen Jahren leben Fledermäuse auf der Erde, sie haben ihre ökologische Nische in der Dunkelheit der Nacht gefunden. Ein großer Teil unserer Wildtiere ist dämmerungs- und nachtaktiv. Nachtaktive Insekten, die Beute des Grauen Langohrs, werden durch künstliches Licht angelockt. Straßenlaternen wirken wie Staubsauger auf Nachtfalter, diese umkreisen die Lampen bis sie erschöpft zu Boden fallen, sie vermehren sich nicht mehr. Lichtverschmutzung ist mit ein Grund für das Insektensterben. Künstliche Beleuchtung zerschneidet Lebensräume und wirkt für manche Fledermausarten wie eine Barriere. Gerade Langohren sind hier sehr empfindlich. Den Lebensraum dunkle Nacht gilt es zu erhalten.



Fledermäuse orientieren sich durch Ultraschall, das zurückgeworfene Echo wird im Kopf zu einem Hörbild. Die Rufe des Langohrs liegen zwischen 11.000 bis 70.000 Herz, Menschen hören zwischen 20 bis 20.000 Herz. Mit spezieller Technik lassen sich diese Laute aufzeichnen und darstellen. Auf nächtlicher Insektenjagd wird geflüstert. Dank seiner großen Ohren kann es leiseste Echos hören und braucht nicht laut rufen. 


Ortungsruf im Sonagramm
Ortungsruf im Sonagramm

Sozialruf im Sonagramm
Sozialruf im Sonagramm

Sonagram und Tondatei: Burkard Pfeiffer


Mit dem Kopf in der Blume sucht die Fledermaus nach Nachtfaltern. Eine Grafik von Ben-York Balser.

Graue Langohren jagen, nachdem sie zur Abenddämmerung ausgeflogen sind, erstmal in unmittelbarer Nähe zu ihrem Quartier. Da sie in unseren Siedlungen leben, suchen sie auch in Gärten nach Nachtfaltern. Diese gilt es zu fördern:

  • Garten, Balkon oder Hof naturnah gestalten
  • keine versiegelten Schottergärten anlegen
  • insektenfreundliche, heimische Pflanzen verwenden
  • Hecken und Bäume erhalten
  • auf Spritzmittel und Dünger verzichten
  • weniger oft mähen
  • Ecken mit Wildwuchs zulassen
  • abgeblühte Pflanzen über den Winter stehen lassen


Eine Hecke leitet die Fledermaus durch die Landschaft. Eine Grafik von Ben-York Balser.

Fledermäuse benötigen Strukturen, um sich in ihrem Lebensraum zurecht zu finden. Hecken und Baumreihen leiten vom Quartier in den Jagdlebensraum. Diese Leitlinien dienen auch dem Schutz vor natürlichen Feinden. Gleichzeitig sind solche Landschaftselemente auch wertvolle Lebensräume für Rebhühner, Feldhasen, Singvögel und Insekten. Eine vielfältig strukturierte Landschaft ist nicht nur ökologisch wichtig, sie erfreut beim Durchwandern auch unser menschliches Auge. Unsere Fluren missen:

  • Solitärbäume
  • Streuobst
  • Hecken
  • Feldgehöze
  • Baumreihen
  • artenreiche Wiesen
  • Staudensäume


Graues Langohr (Plecotus austriacus)

Ein Graues Langohr hängt kopfüber im Dachgebälk. Ein Bild von naturgeflatter.
Um dieses Tier geht es.

Langohrlebensräume

Bunte Wiese, blühende Blumen, ein Naturgarten im Mai. Ein Bild von naturgeflatter.
Bunte Wiese, blühende Blumen, ein Naturgarten im Mai. Hier jagt das Graue Langohr Nachtfalter.
Ein Weg, gesäumt mit blühenden Wildkräutern entlang einer Feldhecke. In der Mitte sitzt ein Feldhase. Ein Bild von naturgeflatter.
Ein Feldweg, gesäumt mit blühenden Wildkräutern entlang einer Hecke. Hier leben auch Rebhuhn und Feldhase.
Eine blühende Saumgesellschaft aus Königskerzen, Natternkopf und anderen Wiesenblumen. Ein Bild von naturgeflatter.
Eine blühende Saumgesellschaft aus Königskerzen, Natternkopf und anderen Wiesenblumen entlang einer Feldhecke.
Im Frühjahr blühen die Obstbäume auf der alten Streuobstwiese. Hier findet das Graue Langohr reichlich Beute. Ein Bild von naturgeflatter.
Im Frühjahr blühen die Obstbäume auf der alten Streuobstwiese. Hier findet das Graue Langohr reichlich Beute.
Ein Feldgehölz auf einer Kuhweide in Dorfnähe.
Feldgehölz auf einer Kuhweide in Dorfnähe. Extensive Beweidung schafft Vielfalt.

"Wir brauchen eine Flurbereicherung - nicht nur für das Graue Langohr"


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Flurbereicherung für eine Dorffledermaus. 

Im Weinlandkreis Kitzingen wird das Projekt zusammen mit dem Verband für Landschaftspflege fortgeführt. 

Machen Sie doch einfach mit!

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Pollen einer Nachtkerze unter dem Elektronenrastermikroskop.

Von Nachteulen und Nachtkerzen

Über Telemetrie, Nachtfalter und bepuderte Langohren. Eine Erzählung in drei Akten.



Ein großer, alter Dachtuhl. Ein Fledermausquartier. Ein Bild von naturgeflatter.

Langohr TV

So lebt das Graue Langohr.



Eine Filmklappe für den ersten Dreh zum Fledermausfilm. Ein Bild von naturgeflatter.

Das Graue Langohr - Winzling im Kitzinger Land

Auf der Suche nach dem Grauen Langohr.